Heimat-Jahrbuch 2006

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Der Bockumer Deich muss saniert werden
Die Deichh├Âhe entspricht nicht mehr der erforderlichen Schutzh├Âhe ÔÇô Spundwand soll Dichtheit und Stabilit├Ąt erh├Âhen
Von Kristian L├╝tz

Die Hochwasserschutzdeiche am Rhein zwischen D├╝sseldorf-Wittlaer und Duisburg-Ehingen entsprechen nicht den heutigen Anforderungen, die an Deiche gestellt werden. Die Anlagen weisen Fehlh├Âhen gegen├╝ber der erforderlichen Schutzh├Âhe auf und gen├╝gen nicht den standsicherheitstechnischen Erfordernissen. Der gesamte Deichabschnitt muss daher saniert werden.

Die Zust├Ąndigkeit f├╝r den Hochwasserschutz lag fr├╝her im gesamten vom Deich gesch├╝tzten Poldergebiet stadt├╝bergreifend beim Deichverband M├╝ndelheim. Aufgrund der Tragweite der anstehenden Sanierungsaufgabe hat die Bezirksregierung D├╝sseldorf den Deichverband im Jahr 1996 aufgel├Âst und die Stadt Duisburg mit der Fortf├╝hrung der Dienstgesch├Ąfte des Deichverbandes, insbesondere aber mit der Aufstellung der Sanierungsplanung beauftragt. In einem Vertrag zwischen den St├Ądten Duisburg und D├╝sseldorf wurden die Modalit├Ąten der Planaufstellung und Kostenbeteiligung geregelt. Die Unterhaltungslast f├╝r die bestehenden Anlagen ging direkt auf die Kommunen ├╝ber - in D├╝sseldorf ist der Stadtentw├Ąsserungsbetrieb f├╝r den Hochwasserschutz zust├Ąndig.

Ein wesentlicher Aspekt der Planung war die Frage, ob durch eine Deichr├╝ckverlegung dem Rhein ├ťberflutungsr├Ąume zur├╝ckgegeben werden k├Ânnen, die eine g├╝nstige Auswirkung auf die Abflussverh├Ąltnisse beim Hochwasser h├Ątten. Hierzu wurden mehrere m├Âgliche Trassenvarianten f├╝r die Deichf├╝hrung auf Duisburger Gebiet erarbeitet und durch eine Vielzahl von Fachgutachten die unterschiedlichen Vor- und Nachteile, Beeintr├Ąchtigungen und Auswirkungen untersucht. Die R├╝ckverlegungsvarianten wurden der ├ľffentlichkeit vorgestellt und z.T. sehr kontrovers diskutiert. Nach einem langwierigen Planungs- und Abstimmungsprozess wurde im Fr├╝hjahr 2005 das formelle Planfeststellungsverfahren durch die Bezirksregierung D├╝sseldorf eingeleitet.

Die Genehmigungsplanung sieht vor, den Deich auf ca. 2/3 seiner L├Ąnge in bestehender Trasse als sogenannter Dreizonendeich nach Vorgaben des Regelquerschnittes des Landes NRW v├Âllig neu zu bauen. Im Bereich der Uerdinger Rheinbr├╝cke der B 288 erfolgt eine R├╝ckverlegung des Deiches in Richtung M├╝ndelheim. Die Trasse der B 288 soll z.T. leicht nordw├Ąrts verlegt und aufgest├Ąndert werden. Im r├╝ckverlegten Bereich wird eine bei Hochwasser frei ├╝berflutbare Fl├Ąche als zus├Ątzlicher ├ťberschwemmungsraum f├╝r den Rhein gewonnen.

Deichverteidigungsweg Im D├╝sseldorfer Bereich musste aufgrund der sehr beengten Platzverh├Ąltnisse - die vorhandene Bebauung reicht teilweise bis unmittelbar an den Deichk├Ârper heran - eine andere L├Âsung gefunden werden. Der vorhandene Deich bleibt bestehen. In den Deich wird mehrere Meter tief eine Spundwand hineingerammt, die die Dichtheit und Stabilit├Ąt des Deiches sicherstellen soll. Die Spundwand wird ca. 0,5 m ├╝ber die jetzige Deichkrone hinausragen, der sichtbare Teil wird mit Klinkersteinen verkleidet werden. Zwischen der Klinkermauer und den vorhandenen Grundst├╝cksz├Ąunen kommt ein 3 m breiter sogenannter Deichverteidigungsweg, der f├╝r Kontroll- und Unterhaltungsaufgaben erforderlich ist und der f├╝r Fu├čg├Ąnger benutzbar sein soll. Der Rheinuferweg soll ├╝ber eine Rampe an den Deichkronenweg angeschlossen werden.

Die Wegef├╝hrung und die ├ľffnung oder auch Schlie├čung derselben f├╝r den Publikumsverkehr sorgten bereits im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens f├╝r sehr kontrovers gef├╝hrte Diskussionen in Wittlaer. Der derzeit vorhandene Trampelpfad auf der Deichkrone wird von vielen B├╝rgern gern als Spazierweg benutzt. Die unmittelbar am Deich wohnenden Anlieger f├╝hlen sich durch die Spazierg├Ąnger und Radfahrer in ihrer Wohn- und Lebensqualit├Ąt beeintr├Ąchtigt. Auch die 0,5 m hohe Mauer wird von einigen Anliegern als Beeintr├Ąchtigung gesehen, der Blick auf den Rhein sei gest├Ârt. Hinzu kommen komplizierte Eigentumsverh├Ąltnisse an den Deichfl├Ąchen.

Das Planfeststellungsverfahren dauert noch an. Die Planunterlagen sind im April/Mai 2005 ├Âffentlich zu jedermanns Einsicht ausgelegt worden. Es ist eine Vielzahl von Einwendungen erhoben worden, die z.Z. ausgewertet werden. Die vorgebrachten Vorschl├Ąge und Einwendungen werden im Er├Ârterungstermin, der voraussichtlich Anfang 2006 stattfinden wird, behandelt.

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens muss eine f├╝r alle tragbare Kompromissl├Âsung gefunden werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Einsicht in die Notwendigkeiten des Hochwasserschutzes und die Kompromissbereitschaft der Beteiligten und Betroffenen zu einem Ausgleich zwischen dem privaten und ├Âffentlichen Interesse f├╝hren wird. Dann kann das Planfeststellungsverfahren durch die Bezirksregierung z├╝gig zum Abschluss gebracht und mit der Umsetzung der dringend erforderlichen Ma├čnahme begonnenen werden.