Heimat-Jahrbuch 2008

« zurück
Sie kamen aus den Niederlanden
Junge Leute fanden Arbeit in Wittlaer und Umgebung
Von Rita Becker

In den letzten Jahrzehnten des ausgehenden 19. Jahrhunderts hatte sich die bis dahin noch biedermeierliche Kunst- und Gartenstadt DĂŒsseldorf zu einer der bedeutendsten Groß- und IndustriestĂ€dte des Rheinlandes entwickelt. Die Folge davon war, dass gewaltige Zuwanderungswellen einsetzten, die die Bevölkerungszahl mit atemberaubender Geschwindigkeit ansteigen ließ und den DĂŒsseldorfer Wohnungsmarkt in arge Nöte brachte. Die Zugewanderten waren in der Regel junge Menschen, von denen die meisten aus der weiteren Umgebung DĂŒsseldorfs kamen, aus den lĂ€ndlichen Gegenden des Rheinlandes und Westfalens. Aber auch fĂŒr AuslĂ€nder war das aufstrebende DĂŒsseldorf anziehend: WĂ€hrend sich zwischen 1871 und 1905 die Einwohnerzahl verdreifacht hatte, war die Zahl der in DĂŒsseldorf lebenden AuslĂ€nder um das Neunfache gestiegen. Davon nahmen die NiederlĂ€nder mit weitaus grĂ¶ĂŸtem Abstand den ersten Platz ein. Der Statistik nach war in diesen Jahren die Zahl der niederlĂ€ndischen StaatsbĂŒrger von 217 auf 3181 gestiegen. Angesichts der nahen Grenze, der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Niederrhein und den Niederlanden und ermöglicht durch die Einrichtung von neuen Verkehrswegen und Eisenbahnnetzen, hatten viele NiederlĂ€nder im industriellen DĂŒsseldorf den erhofften Arbeitsplatz gefunden1. Straßenbahnlinien und ausgebaute Wege verbanden inzwischen die Stadt mit dem ursprĂŒnglich im Abseits gelegenen Umfeld, so dass auch der Anschluss an den lĂ€ndlichen Bereich geschaffen war.

Nachrichten ĂŒber niederlĂ€ndische Erntehelfer, die mit ihren Sensen von Hof zu Hof zogen, die Ernte einbrachten und am Ende des Sommers wieder in ihre Heimat, nach Hause zu Frau und Kindern zurĂŒckkehrten, sind hinlĂ€nglich bekannt. Völlig unbekannt dagegen ist der Modus, nach dem diese Arbeitsvermittlungen vonstatten gingen. Und ebenso wenig ist in Erfahrung zu bringen, auf welche Vermittlung hin Josepha Craenen (geb. 1883), Hubertine Heynen (geb. 1879), Cornelia HĂŒlsmann (geb. 1873), Karl HĂŒlsmann (geb. 1872), Theodor Meuleners (geb. 1873) und Elisabeth und Josepha Clasen (geb. um 1878) Ende des 19. Jahrhunderts von Susteren in Holland nach Wittlaer, Kaiserswerth und DĂŒsseldorf kamen, um hier in fester Anstellung u.a. auf den Bauernhöfen bzw. in der Ziegeleifabrik zu arbeiten2. Vermutlich wird es wohl so gewesen sein, dass der erste, der den Weg von Susteren nach Wittlaer bzw. Kaiserswerth in eine BeschĂ€ftigung fand, alle anderen entsprechend vermittelt hat.

Ende des 19. Jahrhunderts bot der Arbeitsmarkt in Susteren und Umgebung kaum Chancen auf eine Anstellung, so dass viele in Folge der bedrĂŒckenden VerhĂ€ltnisse ihre Heimat verließen. Zu den damaligen Auswanderern gehörten auch die genannten jungen Leute, die sich nach Deutschland aufmachten, um im lĂ€ndlichen Bereich von DĂŒsseldorf zu arbeiten und - lebenslĂ€nglich blieben, weil sie hier den Partner fĂŒrs Leben gefunden hatten.

Susteren
Nahe der deutsch-niederlĂ€ndischen Grenze, in unmittelbarer NĂ€he zum Selfkantkreis, liegt in der Provinz Limburg die Gemeinde Echt-Susteren. Der Ort Susteren hat eine alte Geschichte, deren UrsprĂŒnge auf das Jahr 714 zurĂŒckgehen, als Pippin von Heristal dem irischen Mönch Willibrord ein GelĂ€nde fĂŒr eine KlostergrĂŒndung ĂŒberlĂ€sst.3 Aus dem Kloster des Willibrord ging in spĂ€teren Jahrhunderten ein Kanonissenstift hervor, das im 19. Jahrhundert durch BrĂ€nde zerstört wurde. Erhalten geblieben ist nur die große romanische Stiftskirche mit Krypta, vor der alle sieben Jahre Festspiele stattfinden, die unter dem Titel „Heiligtumsfahrt“ aufgefĂŒhrt werden.

Im Jahre 1880 hatte Susteren 1.950 Einwohner, zwanzig Jahre spĂ€ter war die Zahl auf 2.200 gestiegen. Heute sind das Dorf Susteren und der Nachbarort Echt zu einer Großgemeinde verschmolzen, und die Bevölkerungszahl ist auf 7.428 angewachsen. Nur wenige Nachkommen der nachstehend genannten Personen haben noch Kontakt zu Verwandten in Susteren, es sollen allerdings alle Familiennamen heute dort noch gelĂ€ufig sein.

Josepha Blomenkamp, geborene Craenen
Josepha Craenen wurde am 4. Januar 1883 in Susteren geboren als Tochter des Peter Craenen und seiner Frau Maria Clara, geborene Palmen. Schon in jungen Jahren kam sie, der mĂŒndlichen Überlieferung nach, als Kaffeeköchin in die an der heutigen „Alten Kalkumer Straße“ gelegenen Ziegelei. Der Fabrikationsbetrieb und der Ziegelofen standen seinerzeit im sogenannten Kalkumer Stadtfeld, das auf der westlichen Straßenseite lag und damit zur Stadt Kaiserswerth gehörte. Bereits 1836 ist hier der Standort eines Ziegelofens verbĂŒrgt. In der Ziegelei, auf ihrer Arbeitsstelle, soll Josepha Craenen ihren Mann Anton Blomenkamp kennengelernt haben.

Anton Blomenkamp wohnte seit Sommer 1907 mit seinen Eltern Peter und Wilhelmine Blomenkamp und seinen Geschwistern im neu erbauten Haus gegenĂŒber der Ziegelei. (Heute lebt hier der Urenkel von Josepha und Anton Blomenkamp mit seiner Familie.) In den Jahren 1908 und 1909 war Vater Peter Blomenkamp als Fabrikarbeiter tĂ€tig, möglicherweise in der benachbarten Ziegelei. Peter Blomenkamp stammte aus Bockum, seine Frau Wilhelmine Hubertine geborene Bergs kam aus Zeppenheim.

Josepha Craenen und Anton Blomenkamp heirateten am 24. April 1909. Josepha war jetzt als Dienstmagd in Wittlaer tĂ€tig. Zehn Jahre zuvor wohnte sie noch in Huckingen. Anton Blomenkamp arbeitete bei der Reichsbahn. Die jungen Leute zogen in das Haus derEltern, das spĂ€ter, um 1936, die Anschrift „An der Ziegelei 99“ bzw. „Oberdorf 99“ hatte. Im Laufe der Jahre wurden den Eheleuten sieben Kinder geboren.

Anton Blomenkamp starb am 4. Januar 1945, kurz vor seinem 62. Geburtstag, wĂ€hrend seine Frau im Lazarett Trebisch/MĂ€hren4 am Krankenbett ihres jĂŒngsten Sohnes Karl weilte. Einen Monat spĂ€ter, am 10. Februar, starb auch Karl Blomenkamp. Er wurde nur 19 Jahre alt. Als die Todesnachricht sechs Wochen spĂ€ter seine Mutter erreichte, war er schon beigesetzt. Josepha Blomenkamp starb am 28. November 1972. Sie hatte noch die große Freude, zwei ihrer Urenkel sehen zu dĂŒrfen.

Frau Blomenkamp – sie war bekannt unter dem Namen „Blomekamps Seef“ - hatte bis ins Alter hinein an den Veranstaltungen der Kalkumer Frauen teilgenommen, sei es an ZusammenkĂŒnften oder an Wallfahrten ins niederrheinische Kevelaer. Besucht wurde sie in den letzten Jahren des öfteren von ihrer hollĂ€ndischen LandsmĂ€nnin Hubertine Abels, geborene Heynen. Beide verband die gemeinsame Herkunft – Susteren. Bei diesen Treffen unterhielten sie sich, trotz der lebenslangen Abwesenheit von zu Hause, ausschließlich in ihrer Muttersprache, in Limburgisch5. Kontakte nach Susteren haben zwischen Josepha Blomenkamp und ihren fernen Verwandten lange bestanden. Nach Aussage ihres Enkels Reinhold sind heute noch Mitglieder der Familie Craenen in Susteren ansĂ€ssig.

Hubertine Abels, geborene Heynen
Hubertine Heynen wurde geboren am 11. April 1879 in Susteren als Tochter des Anton Heynen und seiner Ehefrau Maria Hintzen. Im Alter von 14 Jahren, nach der Schulentlassung, kam sie als Dienstmagd nach Wittlaer, vermutlich auf den Kaldenberger Hof in Einbrungen. Hier hatte sie spĂ€ter noch, als verheiratete Frau und Mutter von 4 Kindern, in der FrĂŒhe um fĂŒnf Uhr die KĂŒhe gemolken. Mit leichter Verbitterung erzĂ€hlte sie im Alter oft, dass ihr Vater, obwohl er kein Freund der Deutschen gewesen sei, sie mit 14 Jahren nach Deutschland geschickt habe, um dort zu arbeiten. FĂŒnf lange Jahre hat es gedauert, bis die junge Hubertine zum ersten Mal wieder nach Hause zu Eltern und Geschwistern fahren konnte. Möglicherweise kannte sie da schon ihren spĂ€teren Ehemann Ludwig Abels, der im elterlichen Haus am Knappsack wohnte6, in nĂ€chster Nachbarschaft zum Kaldenberger Hof.

Ludwig Abels (in Wittlaer und Kalkum bekannt unter dem Namen „Abels Wickes“ - „Wickes“ ist die mundartliche Form von Ludovicus), geboren am 11. August 1876, stammte aus der alteingesessenen Wittlaerer Familie Abels. Die Eltern des Ludwig Abels waren Peter Abels und Odilia SpĂŒrkel. Hubertine Heynen und Ludwig Abels heirateten am 20. April 1901 in der Pfarrkirche St. Remigius zu Wittlaer. Ihre Trauzeugen waren Johann Königshausen und Johann Jaegers.

1905 war Ludwig Abels Fabrikarbeiter, spĂ€ter Beamter bei der Reichsbahn. Möglicherweise arbeitete er zuerst, wie sein Bruder Christian, in der 1874 gegrĂŒndeten Pressspan- und Pappenfabrik, die auf dem GelĂ€nde der ehemaligen Einbrunger MĂŒhle angesiedelt war. Ein Beleg dafĂŒr könnte die Tatsache sein, dass die jungen Eheleute in das Haus Nr. 20 am Hagemus7 in Einbrungen zogen, das neben den anderen dortigen HĂ€usern als Werkswohnung fĂŒr die Arbeiter der Fabrik erbaut worden war. Hier wurden ihre Kinder Ludwig, Anton und Gertrud geboren. Im Jahre 1911 zogen Ludwig und Hubertine Abels nach Kalkum. Im Unterdorf am Klompenkothen hatten sie von Johann Haus die westliche Seite des alten WohngebĂ€udes, die Urzelle des Klompenkothens, mit zwei nahe gelegenen GĂ€rten gekauft. Ihre Tochter Henriette und ein frĂŒh verstorbener Sohn kamen hier zur Welt. Einer der erworbenen GĂ€rten grenzte an den Schwarzbach, wo von allen anliegenden Familien die WĂ€sche gewaschen wurde. Oft eine Prozedur von einer Woche. Wenn die Witterung ungĂŒnstig war oder die WĂ€sche gebleicht werden musste, dann vergingen schon viele Tage, bis alles wieder gebĂŒgelt im Schrank lag.

Ludwig und Hubertine Abels konnte am 20. April 1951 unter großer Beteiligung der Dorfbewohner noch ihre Goldene Hochzeit feiern. Zwei Jahre spĂ€ter starb Ludwig Abels im Alter von 76 Jahren. Seine Frau Hubertine ĂŒberlebte ihn um 23 Jahre. Lange Zeit war sie die Ă€lteste Bewohnerin von Kalkum. Sie starb am 24. September 1976 im hohen Alter von 97 Jahren. Hubertine Abels hatte, was nur wenigen vergönnt war, noch das große GlĂŒck, ihren Ur-Urenkel zu sehen. Wurde sie auf ihre stabile Gesundheit, ihre geistige Frische und ihr hohes Alter angesprochen, so verwies sie immer darauf, dass sie ihr ganzes Leben lang viel gearbeitet hatte und sich jetzt, im Alter, jeden Vormittag um 11 Uhr ein SchnĂ€pschen gönnte.

Verbindung zu ihren Verwandten nach Susteren, zur Familie Eberson, hat ihre Tochter Henriette bis zum Tod von Herman Eberson gepflegt. Im Rahmen der Recherchen zu diesem Beitrag sind die Kontakte durch die nĂ€chste Generation nun wieder neu geknĂŒpft worden.

Cornelia Abels, geborene HĂŒlsmann
Cornelia Abels, geborene HĂŒlsmann, war die SchwĂ€gerin von Hubertine Abels, geborene Heynen, d.h. beide Frauen hatten BrĂŒder geheiratet: Christian und Ludwig Abels. Cornelia HĂŒlsmann wurde am 21. Oktober 1873 in Susteren als Tochter des Heinrich HĂŒlsmann und der Maria Elisabeth Claeßen geboren. In jungen Jahren soll sie nach Kaiserswerth gekommen sein, um dort eine Stelle anzutreten, möglicherweise in der Ziegelei, in der auch Josepha Craenen gearbeitet hat. Bei der Eheschließung wohnte Cornelia HĂŒlsmann jedenfalls in Kaiserswerth. Wo und wann sie Christian Abels kennengelernt hat, ist nicht bekannt. Am 30. September 1899 heirateten die beiden in der Pfarrkirche St. Remigius in Wittlaer. Ihre Trauzeugen waren Ludwig Abels und Karl HĂŒlsmann, BrĂŒder der JungvermĂ€hlten. Christian Abels, geboren im Haus am Knappsack, ist bei der Eheschließung 25 Jahre alt und Fabrikarbeiter in der Pressspan- und Pappenfabrik Einbrungen. SpĂ€ter war er vorĂŒbergehend bei der Bahn beschĂ€ftigt.

Die jungen Eheleute wohnten zunÀchst im Haus der Eltern und zogen dann in eine Werkswohnung, in das Haus Nr. 23 am Hagemus. Sechs Kinder wurden ihnen geboren. Cornelia Abels hatte jedes Mal, wenn sie schwanger war, eine Feldarbeit angenommen, um bei ihrer Niederkunft die Hebamme bezahlen zu können. In der Regel geschahen die Entbindungen der damaligen Zeit unter dem Beistand einer Nachbarin. Die Inanspruchnahme einer Hebamme war angesichts der bescheidenen EinkommensverhÀltnisse schon ein besonderer finanzieller Aufwand, den man sich nicht so ohne weiteres leisten konnte, zumal die Kinder meist in kurzen AbstÀnden geboren wurden. Von den sechs Kindern Abels leben heute noch einige Nachkommen in Wittlaer.

Bis zu seinem 72. Lebensjahr, bis zum Jahre 1946, war Christian Abels Straßen- und Wegewart der Gemeinde. Die alten Wittlaerer werden sich noch gut an ihn erinnern. Im Jahre 1949 konnten die Eheleute Abels auf fĂŒnfzig Ehejahre zurĂŒckblicken. Das Fest der Goldenen Hochzeit wurde nicht nur zu einem großen Familientreffen, sondern auch zu einem besonderen Ereignis fĂŒr ganz Wittlaer. Wenige Monate nach der Goldhochzeit, am 3. April 1950, starb Cornelia Abels. Ihr Mann Christian ĂŒberlebte sie um 14 Jahre. Obwohl er das hohe Alter von 90 Jahren erreichte, war es ihm nicht mehr vergönnt, die Geburt des ersten Urenkels zu erleben.

Cornelia und Christian Abels haben bis zu ihrem Lebensende im Haus Nr. 23 am Hagemus gewohnt. Heute gibt es den Hagemus in seiner alten Form nicht mehr. Die gesamte Bebauung wurde abgerissen, um Platz fĂŒr Neubauten zu schaffen. Eine Verbindung der Familie Abels zu den Nachkommen der HĂŒlsmanns nach Susteren besteht nicht.

Karl Ludwig HĂŒlsmann
Karl Ludwig HĂŒlsmann war der Bruder von Cornelia Abels, geborene HĂŒlsmann. Er wurde geboren zu Susteren am 18. April 1872 als Sohn der Eheleute Heinrich HĂŒlsmann und Maria Elisabeth Claeßen. Am 27. April 1900 heiratete er die 23-jĂ€hrige Theresia Meisenburg aus Einbrungen. Karl Ludwig war Tagelöhner. 1905 und auch noch 1926 wohnte er in Einbrungen im Haus Nr. 9a, in der weiteren Nachbarschaft zu seiner Schwester Cornelia Abels. Zwischen 1901 und 1914 kamen ihre fĂŒnf Kinder zur Welt, von denen zwei frĂŒh verstarben.

Anfang 1922 reiste Karl Ludwig HĂŒlsmann zu einem Besuch seiner Verwandten nach Susteren. DafĂŒr hatte er einen Monat zuvor beim Königlich NiederlĂ€ndischen Konsulat in DĂŒsseldorf einen Reisepass beantragt. Die Einreise wurde ihm gestattet, war aber auf die Zeit zwischen dem 28. Januar und 27. Februar befristet. Um 1930 erwarb Karl Ludwig ein Haus am PfaffenmĂŒhlenweg in Kaiserswerth, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnte. Karl Ludwig HĂŒlsmann starb am 6. September 1940 im Alter von 68 Jahren. Eine Verbindung seiner Nachkommen zu Susteren besteht nicht.

Johann Theodor Meuleners
Johann Theodor Meuleners kam am 28. Juni 1873 als einziges von fĂŒnf Kindern in Deutschland zur Welt. Sein Vater, Christian Meuleners, hatte in Hochemmerich8 eine Arbeitsstelle gefunden und war mit seiner Frau Maria Elisabeth SchĂŒrmann dorthin ĂŒbergesiedelt. Wenige Jahre spĂ€ter, 1879, war die Familie wieder in Susteren anzutreffen, wo der junge Theodor Meuleners zur Schule ging und aufwuchs.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde er wehrpflichtig. Zum MilitĂ€rdienst sollte er in einer der niederlĂ€ndischen Kolonien stationiert werden. Theodor Meuleners verließ seine Heimat und emigrierte nach Deutschland. Über seine TĂ€tigkeit hier am Ort gibt es zwei Versionen, die seine Nachkommen erzĂ€hlen: Die eine lautet, er hĂ€tte sich auf dem Hof des Landwirts Walbröhl in Wittlaer als Erntearbeiter verdingt und dort die junge Johanna Siepenkothen kennengelernt, die andere berichtet, dass er in der Ziegelei in Kaiserswerth gearbeitet haben soll.

Am 28. Oktober 1898 heiratete Theodor Meuleners die 25-jĂ€hrige Johanna Siepenkothen. Ihre Eltern, Josef Siepenkothen und Gertrud, geborene Schmitz, stammten aus Wittlaer. Die jungen Eheleute Meuleners zogen nach Einbrungen in das Haus Nr. 19 am Hagemus, in dem auch der Bruder bzw. Schwager Heinrich Siepenkothen wohnte. Theodor Meuleners war zunĂ€chst Tagelöhner, spĂ€ter, um 1926, arbeitete er als Zugabfertiger bei der Reichsbahn. Im Laufe der Jahre wurden ihnen sechs Kinder geboren. 1909 wohnte die Familie Meuleners in Zeppenheim auf der heutigen Zeppenheimer Straße.

Theodor Meuleners starb am 24. Juli 1936 im Alter von 63 Jahren. Seine Frau Johanna zog von Zeppenheim nach Kalkum. Ihren Lebensabend verbrachte sie bei ihrer Tochter Anna Klapdor. Johanna Meuleners erlebte noch mehrere Urenkel erlebt. Im Alter war sie oft, zusammen mit ihrer Enkelin Rita, nach Wittlaer spaziert, um dort die Familie Walbröhl und auch ihre Verwandten bzw. frĂŒheren Nachbarn am Hagemus zu besuchen. Sie starb am 22. Januar 1961.

Aus der Großfamilie Meuleners sind im Laufe der Jahrzehnte einige der Angehörigen zu Kosmopoliten geworden. Sie leben ĂŒber die ganze Welt verstreut. Meuleners sind nicht nur noch in Susteren, in verschiedenen StĂ€dten der Niederlande und in Deutschland anzutreffen, sondern auch in Belgien, Australien, Thailand und in Minnesota.

Elisabeth und Josepha Schmitz, geborene Clasen Im Vergleich zu den vorgenannten Personen ist die Geschichte von Elisabeth und Josepha Clasen ein wenig anders verlaufen. In ihrem Fall waren es die Eltern, die mit ihren Kindern Susteren verließen, um in DĂŒsseldorf Arbeit zu finden. Wo Vater Clasen und seine Töchter Elisabeth und Josepha beschĂ€ftigt waren, ist nicht bekannt, gewohnt hatte die Familie in Volmerswerth. Vermutlich 1905 heiratete Elisabeth den aus Zeppenheim stammenden Peter Schmitz. Bei der Eheschließung sollen beide 27 Jahre alt gewesen sein. Peter Schmitz war bei der Reichsbahn angestellt, spĂ€ter betrieb er einen GemĂŒsehandel. Zusammen mit den Eltern Schmitz wohnten die jungen Eheleute in einem der kleinen HĂ€user an der Zeppenheimer Dorfstraße. Am 15. Januar 1906 kam dort ihr Sohn Josef zur Welt, bei dessen Geburt Elisabeth Schmitz starb. Ein großes UnglĂŒck fĂŒr den jungen Vater und ein erneuter Schicksalsschlag fĂŒr die Großeltern Schmitz, die anderthalb Jahre zuvor bereits ihre 28-jĂ€hrige Tochter Friederike, Mutter von zwei kleinen Kindern, verloren hatten. Peter Schmitz heiratete in zweiter Ehe die Schwester seiner verstorbenen Frau, Josepha Clasen. Aus dieser Ehe ging die Tochter Christine hervor.

Peter und Josepha Schmitz blieben bis an ihr Lebensende im Haus an der Zeppenheimer Dorfstraße wohnhaft. Ihre letzte RuhestĂ€tte fanden sie auf dem Kalkumer Dorffriedhof. Kontakte zu Verwandten in Susteren haben nicht bestanden.

Kalkum – Susteren
Erste Verbindungen zwischen Kalkum und Susteren hatte es schon im ausgehenden 17. Jahrhundert gegeben. Damals begab man sich allerdings – im Gegensatz zu den Geschehnissen 200 Jahre spĂ€ter – in die umgekehrte Richtung, d.h. von Kalkum nach Susteren. Ziel war das dortige freiadlige Kanonissenstift, die St. Salvatorabtei, in der Töchter aus der Aristokratie erzogen wurden und eine angemessene Ausbildung erhielten, in der sie aber auch, im Falle einer Nichtverheiratung, standesgemĂ€ĂŸ untergebracht und versorgt waren.

Von Kalkum aus reisten im Februar 1691 Maria Anna Franziska von Winkelhausen und im darauf folgenden Jahr, im Mai 1692, Isabella Johanna Maria von Winkelhausen nach Susteren. Beide Schwestern waren bei ihrem Eintritt in das Stift 14 Jahre alt und Töchter der auf Schloss Kalkum lebenden Eheleute Philipp Wilhelm Freiherr von Winkelhausen und Anna Maria Freifrau von Winkelhausen, geborene von Hompesch zu Bolheim. Äbtissin des Stifts war in diesen Jahren Wilhelmine Elisabeth GrĂ€fin von Hompesch zu Bolheim, vermutlich eine Schwester der Anna Maria von Winkelhausen, was dem entfernt liegenden Stift bei der Wahl einer adĂ€quaten AusbildungsstĂ€tte wohl den Vorrang geben haben dĂŒrfte. Isabella von Winkelhausen verließ nach einigen Jahren das Kloster und heiratete den Grafen Edmund Florenz von Hatzfeldt, wĂ€hrend ihre Schwester Maria Anna dem freiadligen Stift Susteren zeitlebens angehörig blieb.